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Fachkräftemangel

Es ist eines der furchteinflößendsten Schlagwörter der modernen Arbeitswelt. Fachkräftemangel. Alle sprechen darüber und diskutieren dessen Tragweite. Gibt es denn tatsächlich einen Fachkräftemangel in Deutschland? Wie kommt dieser zustande und was zeichnet ihn aus? Was lässt sich dagegen tun? Auf was sollten Unternehmen in Zukunft in der Personalplanung achten und in welche Bereiche investieren? Diese und weitere Fragen möchte ich gern im Folgenden klären.

Fachkräftemangel – Was ist das?

Als Fachkräftemangel bezeichnet man in der Wirtschaft einen Zustand, in dem eine hohe Anzahl an Arbeitsplätzen für Mitarbeiter mit speziellen Fähigkeiten bereit stehen aber nicht besetzt werden können, weil es am Arbeitsmarkt an entsprechend qualifizierten Mitarbeitern (Fachkräften) fehlt. Lange Zeit wurde der Begriff Fachkräftemangel synonym für einen Mangel an Akademikern verwendet, worin eine der bedeutendsten Ursachen gesehen wurde. Heute allerdings fehlen nicht nur Akademiker, sondern vor allem auch Facharbeiter und Handwerker.

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Wieso gibt es einen Fachkräftemangel?

Ausbildungszyklen

Eine gute Ausbildung dauert seine Zeit. Auch ich habe mehrere Jahre studiert und viel Zeit in meine Ausbildung investiert. Die meisten Ausbildungsberufe dauern ca. drei Jahre. Wenn ein Fachkräftemangel zu einer erhöhten Zahl an Ausbildungsbeginnern führt, was meistens der Fall ist, steigt erst nach einer gewissen Zeit die Anzahl der Arbeitnehmer mit dieser Qualifikation. So hat sich beispielsweise die Anzahl der Studienanfänger im Bereich Ingenieurwissenschaften seit 1997 mehr als verdoppelt. Solche Wechsel von Knappheit und Überangebot von bestimmten Fachkräften werden am Arbeitsmarkt als sogenannte „Schweinezyklen“ bezeichnet. Der Name resultiert aus der Landwirtschaft: Bei hohen Preisen für Schweinefleisch entscheiden sich viele Bauern, vermehrt Jungtiere aufzuziehen. Wenn diese schlachtreif sind, entsteht folglich ein Überangebot, das die Preise in den Keller fallen lässt. Aufgrund dessen geben viele die Schweinezucht auf, was mit entsprechender Zeitverzögerung wiederum zu einer Verknappung und einem starken Preisanstieg führt. Der Zyklus beginnt von vorn.

Demographischer Wandel

Ein starker Treiber des Fachkräftemangels in Deutschland ist der demografische Wandel. Die Generation der Babyboomer wird bald im Ruhestand sein und damit wird das Verhältnis von Erwerbspersonen zu Nicht-Erwerbspersonen immer weiter abnehmen. Der Arbeitsmarkt wird zukünftig von der Generation Y dominiert werden, die spezielle Ansprüche an ihren Arbeitsplatz an der Tag legt (siehe auch Charakteristika Generation Y). Schon im Jahr 2030 kommen laut Schätzungen des Statistischen Bundesamts auf 100 Erwerbspersonen 77 Nicht-Erwerbspersonen.

Wirtschaftlicher Aufschwung

Der Arbeitsmarkt kann mit dem wirtschaftlichen Aufschwung im Land nicht mehr Schritt halten. Nach der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise steht der Arbeitsmarkt in Deutschland so gut da wie schon lange nicht mehr. Unternehmen werden sich zukünftig dem „War for talents“, also dem Kampf um die besten Talente stellen müssen.

Gesellschaftliche Faktoren

Zu den gesellschaftlichen Faktoren zählen die Karrieremöglichkeiten im jeweiligen Berufszweig und das Branchenimage. Dinge wie Sozialprestige,  die Höhe  des  Lohnes  oder  die vorhandenen Weiterbildungsangebote beeinflussen das Berufswahlverhalten von Jugendlichen. Dazu kommt, dass sich Unternehmen oftmals nur ungenügend mit der Personalplanung beschäftigen oder diese sogar ganz vernachlässigen.

Welche Berufszweige sind zurzeit besonders betroffen?

Nach einer Analyse der Bundesagentur für Arbeit zeigt sich aktuell kein flächendeckender Fachkräftemangel in Deutschland. Vor allem in einzelnen technischen Berufsfeldern sowie in einigen Gesundheits- und Pflegeberufen gibt es jedoch starke Engpässe zu verzeichnen.  Bei den technischen Berufen zeigen sich Besetzungsschwierigkeiten sowohl auf Ebene der Experten (Ingenieure) als auch bei den nichtakademischen Fachkräften. Fachkräfteengpässe liegen vor allem im Fahrzeugbau sowie in Metall- und Elektrotechnikberufen vor. Auch in der Ver- und Entsorgung sowie im Aus-und Trockenbau und in der Klempnerei, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik zeigt sich ein Mangel. Betroffen sind auch IT-Berufe sowie technische Berufe im Eisenbahnverkehr. In den Gesundheits- und Pflegeberufen gibt es einen Mangel sowohl bei Humanmedizinern als auch bei examinierten Gesundheits- und Krankenpflegefachkräften und bei examinierten Altenpflegefachkräften. In den technischen Gesundheitsberufen fehlen Fachkräfte und Meister der Orthopädie- und Rehatechnik sowie der Hörgeräteakustik. Außerdem ist ein Mangel bei Meistern in der Augenoptik erkennbar. (Vgl. Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit)

Was sind die Folgen des Fachkräftemangels?

Der Fachkräftemangel wirkt sich vor allen Dingen auf den Mittelstand aus, da große Unternehmen oftmals andere Mittel für Recruiting zur Verfügung haben und bei jungen Arbeitnehmern sehr beliebt sind. Unter Umständen können also nicht nur Fachstellen, sondern auch Ausbildungsstellen nicht besetzt werden, was dazu führt, dass auf lange Sicht wertvolle Mitarbeiter im Unternehmen fehlen. Laut einer Studie der Manpower Group zum Thema Fachkräftemangel hatten im Jahr 2015 46% der Unternehmen in Deutschland Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen (im Vergleich 2014: 40%). Der Arbeitsmarkt kann mit dem derzeitigen wirtschaftlichen Aufschwung nicht mithalten. Das führt bereits dazu, dass bei jedem zweiten Unternehmen Aufträge abgelehnt werden müssen. In darauf folgenden Schwächephasen fehlen dann nötige, finanzielle Rücklagen.

Kurz und knapp: Neben dem Einfluss auf die Erfüllung von Kundenbedürfnissen sind eine verringerte Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität die Folge, als auch eine erhöhte Mitarbeiterfluktuation und eine damit verbundene geringere Mitarbeiterloyalität und Arbeitsmoral gegenüber dem Unternehmen.

Was lässt sich dagegen tun?

Der Fachkräftemangel in Deutschland ist also längst nicht nur ein Mythos, er ist ein ernstzunehmendes Risiko in vielen Branchen und Regionen. Aber was lässt sich dagegen tun?

Es müssen Maßnahmen in den Bereichen Aus- und Weiterbildung getroffen werden. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sollte erleichtert werden um besonders Frauen Job und Familie unter einen Hut zu bekommen. Eine Erleichterung bei der Einstellung von ausländischen Fachkräften und Hilfestellungen bei der Immigration von Fachkräften könnten das Problem verhindern.

Wie können Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels neue Mitarbeiter gewinnen?

Generell müssen Unternehmen bei der Rekrutierung von Fachkräften in der Zukunft verstärkt ein positives Image aufbauen, damit sie sich von der Konkurrenz abheben und für die Fachkräfte attraktiver sind. Dabei geht es insbesondere um die ausländische Konkurrenz. Die Verbesserung gegenüber der inländischen Konkurrenz erhöht unter Umständen die Chancen gegenüber den Mitbewerbern, entschärft aber den Fachkräftemangel volkswirtschaftlich nicht. In der Praxis gehören dazu z.B. Konzepte zur Work Life Balance, flexible Arbeitszeitmodelle und Telearbeit sowie Freizeitangebote. Insbesondere Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie treten dabei immer weiter in den Vordergrund. Durch die Positionierung als familienfreundliches Unternehmen sollte es gelingen, vermehrt auch Frauen anzusprechen, und damit dem Fachkräftemangel durch die Erhöhung der Frauenquote bei den Erwerbstätigen zu begegnen. Solche Konzepte können von Feelgood Managern erstellt werden und speziell auf die unterschiedlichen Unternehmensbedürfnisse angepasst werden. Feelgood Manager sorgen auch dafür Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden (Siehe auch Aufgaben eines Feelgood Managers).

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Facts zum Fachkräftemangel in Deutschland. Bei Klick aufs Bild Graphik als Download im PDF Format
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6 Kommentare zu „Fachkräftemangel

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