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Neue Arbeitswelt – Arbeiten im Home-Office

Die zunehmende Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Fast täglich entstehen neue Lösungen und Tools, die traditionelle Arbeitsformen ablösen oder zumindest in Frage stellen und dabei zum Wandel der Arbeitswelt beitragen. Neue Technologien ermöglichen Zugriffe von zu Hause oder unterwegs auf Emails, Terminkalender, Intranet und andere interne Unternehmensdaten.

Arbeiten von wo aus man will – Für viele Arbeitnehmer verbessert sich durch den Wegfall des Arbeitsweges ihre Work-Life-Balance, da zum einen Zeit eingespart wird und zum anderen flexibler damit umgegangen werden kann. Die flexibleren Arbeitszeiten ermöglichen private Termine besser koordinieren zu können, mehr Zeit mit Kindern und Familie zu verbringen und somit Stress zu reduzieren, dem sich viele junge Arbeitnehmer gegenübersehen.

home-office2Besteht ein Trend zum Homeoffice?

Die Möglichkeit zur Heimarbeit macht Mitarbeiter zufriedener und loyaler. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales fühlen sich Angestellte die einen Teil ihrer regulären Arbeit von zu Hause aus erledigen können, enger mit ihrem Betrieb verbunden und sind mit ihrer Arbeit allgemein zufriedener.Dennoch bietet nur ein Drittel der Unternehmen in Deutschland diese Chance – nicht mehr als vor zwei Jahren. Teilweise wird sogar von einem rückläufigen Trend berichtet. Gegen Heimarbeit spricht in vielen Unternehmen offenbar noch immer eine verbreitete Präsenzkultur. Hier ist es an der Zeit umzudenken, denn richtig umgesetzt kann sich das Modell zu einer Win-Win-Situation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber entwickeln.

Vor- und Nachteile für den Beschäftigten

Seit einiger Zeit ist es mir in meinem Beruf als Projektleiterin selbst möglich ab und zu im Home-Office zu arbeiten. Ich kann mich auf jeden Fall für diese Form der Arbeit sehr positiv aussprechen. Der größte Vorteil liegt mit dem Wegfall des Arbeitsweges für mich im Zeit- und Kostenersparnis. Ich stehe weniger im Stau und kann den Tag entspannter angehen. Den daraus resultierende Zeitgewinn kann ich für eine ausgiebige morgendliche Joggingrunde, einen Arzttermin oder bei einem gemütlichen Frühstück verbringen. Die gewonnene Arbeitszeit lässt sich auch gut in ein zeitintensives Projekt investieren, für welches ich im Büro weniger Zeit aufgewendet hätte. Meine Kollegin, die Mutter einer 4jährigen Tochter ist, nutzt die Möglichkeit im Home-Office zu arbeiten recht häufig, um mehr Zeit mit ihrer Tochter verbringen zu können, sie pünktlich vom Kindergarten abzuholen und lieber am späteren Abend noch einmal produktiv zu arbeiten. Manchmal schafft sie dadurch sogar eine höhere Wochenarbeitszeit als im Büro. Das gibt auch eine Studie des Bundesministeriums für Arbeit wieder. Demzufolge machen Heimarbeiter sogar fast doppelt so viele Überstunden wie Mitarbeiter, die nicht im Home-Office arbeiten.

Natürlich bringt das Arbeiten von zu Hause auch ein paar Nachteile mit sich, die sich aber meiner Meinung nach mit einer guten Organisation und ein wenig Disziplin ausgleichen lassen. Eines der Hauptprobleme ist die Vermischung zwischen privaten und beruflichen Belangen und der fehlenden Abgrenzung voneinander. Gleichzeitig muss man eigenverantwortlich darauf achten seine Aufgaben fokussiert und fristgerecht zu erledigen und sich nicht mit Facebook, Twitter oder Blogs Ablenkung zu verschaffen. Es ist wichtig, dass der Austausch zwischen den Kollegen nicht auf der Strecke bleibt und Sachen, die man sich im Büro mal eben zuruft, nicht untergehen.

Vor- und Nachteile für den Arbeitgeber

Der größte Vorteil für den Arbeitgeber ist die Produktivitätssteigerung. Insgesamt 87% der Angestellten berichten eine um bis zu 25% gesteigerte Produktivität durch Telearbeit. Besonders im Kreativitätsbereich wirkt eine andere Umgebung als das tägliche Büro äußerst förderlich.

Durch das Arbeiten im Home-Office können Kosten für Räume und Versorgung gesenkt werden. In vielen Unternehmen hat die Einführung von Telearbeit sogar die Krankheitstage reduziert.

Die Nachteile sehen die Arbeitgeber oftmals in der mangelnden Kontrolle über die erbrachte Arbeitsleistung, dass Arbeitsergebnisse nur über Informationsmedien abrufbar sind und Mitarbeiter schwerer für Ad-hoc Aufgaben zu gewinnen sind. Alles Dinge denen mit einer guten Organisation und ein bisschen Vertrauen leicht entgegen gewirkt werden können.

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Wie kann den Nachteilen von Homeoffice entgegen gewirkt werden?

Immer mehr Arbeitnehmer wünschen sich, zumindest teilweise, ihre Arbeit flexibel von zu Hause aus erledigen zu können. Die meisten Unternehmen stellt das nicht nur vor organisatorische Herausforderungen. Die Gewährleistung eines reibungslosen Informationsflusses und die Erhaltung der Bindung des Arbeitnehmers zum Unternehmen müssen weiterhin gewährleistet werden. Besonders der Kommunikations- und Informationsaustausch stellt einen sehr wichtigen Aspekt für beide Seiten dar. Ohne einen funktionierenden und regelmäßigen Austausch ist eine gute Arbeitsleistung des Heimarbeitsplatznehmers nicht möglich. Damit es nicht zur Isolation des Arbeitnehmers kommt, muss dieser Austausch über persönliche Gespräche, Besprechungen, Telefonate, E-Mails, Internet, Intranet und Videokonferenzen mit Kollegen und Kunden realisiert werden. Ein Teil der Arbeit sollte daher wenn möglich unbedingt im Unternehmen verrichtet werden. So bleibt der Kontakt und Austausch mit den Kollegen untereinander und die Beteiligung am betrieblichen Geschehen bestehen.

Weiterhin sollten regelmäßige Telefonkonferenzen zu bestimmten Zeiten zu denen der Heimarbeiter erreichbar ist und dem Unternehmen als Ansprechpartner dient, realisiert werden. Ziele, Erwartungen und Anforderungen müssen klar und eindeutig formuliert werden, damit Rückfragen vermieden werden.

Welche Voraussetzungen aus Arbeitnehmer- und Arbeitsgebersicht sollten erfüllt sein?

Für eine gute Zusammenarbeit zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Beschäftigte sollten versiert mit der Home-Office-Technik umgehen können und spezielle persönliche und soziale Anforderungen erfüllen: Ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit mitbringen, ehrlich und vertrauenswürdig sein, belastbar und zuverlässig arbeiten, flexibel und selbständig agieren. Neben einem guten Organisationstalent ist es wichtig, dass sie sich selbst gut motivieren können, den Informationsaustausch nicht vernachlässigen und teamfähig sind.

Arbeitgeber sollten ein hohes Maß an Vertrauen in ihre Mitarbeiter setzen, die notwendige Technik bereitstellen und persönliche und soziale Kompetenzen, wie eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, ein gutes Organisationstalent, ein gesundes Maß an Flexibilität und eine ergebnisorientierte Führung besitzen. Auch ein Mitarbeiter der im Homeoffice arbeitet will motiviert werden.

Fazit

Die Heimarbeit bietet viele Vorteile für beide Seiten, gerade in Bezug auf die freie Zeiteinteilung und -gestaltung als auch auf die gesteigerte Produktivität. Die Persönlichkeit jedes Arbeitnehmers darf dabei jedoch nicht außer Acht gelassen werden. Führungskräfte sollten keinesfalls jeden Angestellten ins Home-Office schicken, aber jedem Angestellten erlauben, unter bestimmten Voraussetzungen und auf eigenem Wunsch hin (gelegentlich) von zu Hause aus zu arbeiten.

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7 Kommentare zu „Neue Arbeitswelt – Arbeiten im Home-Office

  1. Hi Julia, danke für den schönen Beitrag! Ich sehe auch definitiv mehr Punkte, die für Home-Office sprechen, als dagegen. Allerdings ist auch klar, dass sich diese Art zu arbeiten nicht für jeden eignet. Das ist abhängig von persönlichen Faktoren als auch ganz schlicht von den Aufgaben im jeweiligen Unternehmen.
    Für die meisten Büro-Arbeiter*innen und Kreativen kann das Home-Office aber eine willkommene Perspektivenänderung bedeuten. Und es gibt heute ja eigentlich mehr als genug Software, mit der die Beschäftigten auch von zuhause aus an der Kommunikation in der Firma teilnehmen können oder ihre Dokumente abrufen. In meinem Blogbeitrag unter http://www.arbeitsplatz40.de/home-office-digital-workplace/ habe ich übrigens ein bisschen was zu dieser technischen Komponente der Arbeit im Home-Office geschrieben 🙂

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  2. Hallo Christoph! Danke für Deinen Kommentar und Deinen Beitrag auf Deinem Blog. Ich sehe da viele Überschneidungen in unseren Ansichten zum Home Office. Nicht jeder arbeitet genauso gut im Home-Office wie im Office und nicht jeder arbeitet gern von zu Hause aus ohne den ständigen Kontakt zu Kollegen. Dennoch bin ich der Meinung, dass unter bestimmten Voraussetzungen (siehe oben) und einem gesunden Vertrauen zwischen Arbeitgeber und -nehmer das Arbeiten im Home-Office in Zukunft (in an das Unternehmen angepassten Ausprägungen) nicht mehr wegzudenken sein wird. Die Digitalisierung ermöglicht uns neue Wege, die wir gehen sollten und nicht als falschen Gründen und Angst an alten Arbeitsmodellen festhalten.

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