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Mental Health Day – Konzentration auf die psychische Gesundheit

Vor ein paar Wochen gab es einen riesigen viralen Hype um die Email eines Chefs an seine Mitarbeiterin. Auch ich teilte auf meinem Twitter Account diesen Tweat der eine  hitzige Diskussion im Internet über mentale Gesundheit auslöste.

Eine Auszeit nehmen um sich auf seine psychische Gesundheit zu konzentrieren

Madalyn Parker, eine Webentwicklerin aus Michigan der live-chat Plattform Olark, leidet seit ihrer frühesten Kindheit an Angstzuständen und Panikattacken und schrieb im Juli eine Email an ihr Team, in der stand, dass sie 2 Tage frei nehmen würde um sich auf ihr psychisches Wohlbefinden zu konzentrieren. Ihr Chef, Ben Congleton, reagierte so, wie wir uns das alle wünschen würden. Er dankte ihr für ihre Aufrichtigkeit. Madylin teilte die Email auf Twitter und inzwischen wurde ihr Tweet mehr als 16.000 mal geretweetet.

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Ben Congleton begründete seine Entscheidung daraufhin noch einmal in einem Blogpost: „Es ist unglaublich schwer, an einem typischen Arbeitsplatz ehrlich mit seiner psychischen Verfassung umzugehen“, schreibt er darin, „Selbst in dem angenehmsten Umfeld ist es kaum möglich, seinen Kollegen zu sagen, dass man daheim bleibt, weil man ’sich nicht so gut fühlt‘.“ Leider, das können wohl viele Berufstätige, die psychische Krankheiten haben, bestätigen, ist dieser offene Umgang mit einer nicht-körperlichen Erkrankung sehr ungewöhnlich und mutig. Denn Fakt ist, psychische Erkrankungen sind immer noch ein Tabu-Thema, gelten oft als Schwäche und offen über sie zu sprechen, zieht fast immer die Angst vor einer Kündigung nach sich. Umso wichtiger sind Reaktionen wie die von Madalyns Chef, welcher sie in ihrem Verhalten bestärkt und sie für ihren Mut gelobt hat, psychische Probleme als normalen Krankheitsgrund anzuführen. „Wir haben 2017. Ich kann nicht glauben, dass psychische Probleme am Arbeitsplatz noch immer kontrovers diskutiert werden, wenn einer von sechs Amerikanern deswegen in medikamentöser Behandlung ist.“

Das Arbeitsunfähigkeitsvolumen aufgrund psychischer Erkrankungen hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdreifacht

Madalyn ist damit nicht allein. In Deutschland hat sich das Arbeitsunfähigkeitsvolumen aufgrund psychischer Erkrankungen in den letzten 20 Jahren mehr als verdreifacht und depressive Episoden sind zur drittstärksten Einzeldiagnose bei Arbeitsunfähigkeit aufgestiegen. Trotzdem ist es in Deutschland weniger anerkannt aus solchen oder ähnlichen Gründen ein oder mehrere Tage zu Haus zu bleiben. In vielen Unternehmen reagiert man eher mit einer gerümpften Nase als mit Dankbarkeit, wie es Ben Congleton in seiner Email tat. Spätestens ab dem dritten Fehltag müssen Angestellte ihrem Chef ein ärztliches Attest vorlegen, je nach Arbeitsvertrag sogar schon am ersten Fehltag. Psychische Belastungen lassen sich aber nicht so einfach vom Hausarzt diagnostizieren wie eine Grippe. Sofern kein Attest erforderlich ist, müssen die Gründe für einen Fehltag aber auch nicht dramatisch sein. Kopfschmerzen etwa werden von den meisten Chefs schon für einen Ausfalltag akzeptiert. Ob ein Fehltag zum „Batterien aufladen“ erlaubt ist, hängt wiederum ganz vom Vorgesetzten ab – bestimmt gibt es auch in Deutschland ein paar Ben Congletons.

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Was Arbeitgeber tun können

Es gibt ein paar Dinge, die Unternehmen tun können um ihren Mitarbeitern zu zeigen, dass auf deren (psychische) Gesundheit geachtet wird:

  • Eine Unternehmenskultur schaffen, in der man ohne Ängste frei über psychische Krankheiten sprechen kann
  • Angebote für Trainings zum Thema Stress Management
  • Programme zur Stressreduzierung, Achtsamkeit oder Meditation fördern
  • kostenlose (psychische) Gesundheitschecks

Warum wir eigentlich alle „Mental Health Days“ brauchen

Unbehandelte psychische Krankheiten kosten jeden Einzelnen und die Gesellschaft jedes Jahr Milliarden. Zu den direkten Kosten zählen Ausgaben für Prävention, Behandlungskosten für die Krankheit selbst, Rehabilitations- und Pflegekosten sowie die Verwaltungskosten der jeweiligen Leistungsträger (öffentlich und privat). Zu den indirekten Kosten gehören Produktionsausfallkosten, durch Arbeitsunfähigkeitstage der betroffenen Mitarbeiter und der sich daraus ergebende Bruttowertschöpfungsausfall. Eine mentale Auszeit zu nehmen, so wie es Madalyn getan hat, bedeutet, dass man auf seine psychische Gesundheit achtet, was nicht weniger wichtig ist, als das körperliche Wohlbefinden.

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Wann ist ein „Mental Health Day“ notwendig

  • wenn Du nicht mehr in der Lage bist Dich zu engagieren
  • wenn Du körperlich anwesend bist, aber Dein Kopf woanders
  • wenn Du merkst, dass Du mit Deinen Freunden und Deiner Familie anders umgehst
  • wenn Du Deinen Ärger an der falschen Stelle rauslässt
  • wenn Du merkst dass Du häufiger krank wirst als sonst
  • wenn Du häufiger deprimiert bist oder Dich einsam fühlst
  • wenn Du nicht mehr die Dinge tust, die Du sonst gern tust oder sie Dich nicht mehr so glücklich machen wie früher
  • wenn Du Dich nicht wie Du selbst fühlst

Psychologen raten dazu genau darüber nachzudenken, was man an einem „Mental Health Day“ tun könnte. Ausgiebig kochen und gut essen, spazieren gehen im Park, ein Ausflug in die Berge oder zum See – jeder hat einen Weg sich selbst etwas Gutes zu tun. Solche Aktivitäten, die wir genießen und die uns glücklich machen, brauchen wir im Leben um eine ausgewogene Balance zum Alltagsstress herzustellen. Deshalb versuche ich selbst auch jeden Tag etwas Schönes zu unternehmen, was mir Freude bereitet. Ein paar Tipps dazu habe ich Euch ja bereits im letzten Artikel gegeben.

Das digitale Echo auf die Geschichte von Madalyn und Ben und die Reaktionen vieler Betroffener zeigen auf jeden Fall, wie weit und steinig der Weg hier noch ist. Klar und offensiv mit psychischen Krankheiten umzugehen und direkt zu sagen „ich nehme mir heute eine Auszeit für meine psychische Gesundheit“ ist der richtige Weg um Menschen für das Thema zu sensibilisieren und Vorurteile zu durchbrechen. Im Rahmen von Feelgood Management sollten wir uns also an die Arbeit machen, damit solche Tweets in Zukunft keine Ausnahme bleiben.

 

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